| Sebastian von Hoerner (vita) |
Sebastian von Hoerner 15. 4. 1919 - 7. 1. 2003
Im Jahr 1962 erhielt er einen Ruf an das Radioobservatorium NRAO in Green Bank, West Virginia, USA, wo er unter der Leitung von David Heeschen weiter über die Entstehung von Sternen und die Ausbreitung von Stoßfronten forschte. Die radioastronomischen Beobachtungen führten ihn zu dem Gebiet der Kosmologie, und er begann sich zudem intensiv um die Verbesserung von Radioteleskopen und der Beobachtungstechnik zu kümmern. Die ersten Versuche von Frank Drake am NRAO, mit Radioteleskopen nach künstlichen Signalen außerirdischer Zivilisationen zu lauschen, eröffneten ihm ein weiteres Forschungsgebiet: SETI, die Suche nach extraterrestrischen Intelligenzen. Um den Bau größerer Radioteleskope zu ermöglichen und ihre Qualität zu verbessern, entwickelte von Hoerner homologische Antennen. Dieses Konzept verhindert, dass Verformungen der Radioantenne, die im dynamischen Betrieb unvermeidbar sind, die Richtcharakteristik des Teleskops beeinträchtigen. Erst dieses Prinzip ermöglichte den Bau des 100-Meter-Radioteleskops in Effelsberg bei Bonn, das nun seit mehr als dreißig Jahren in Betrieb ist. Auch nach seiner Pensionierung fungierte von Hoerner als unabhängiger Berater für den Bau von Radioteleskopen. Seine Expertise wurde weithin geschätzt. Viele Wissenschaftler und Techniker vertraten den Standpunkt: "Wenn von Hoerner das sagt, muss es stimmen." Sebastian von Hoerner hat mehr als 100 Arbeiten auf dem Gebiet der Astrophysik, der Radioastronomie und SETI veröffentlicht, insgesamt 115 technische Studien über Antennenkonstruktion durchgeführt und vier Bü cher geschrieben. Einem breiteren Publikum wurde von Hoerner auch durch "Meyers Handbuch über das Weltall" bekannt, dessen erste vier Ausgaben er gemeinsam mit dem Heidelberger Astronomen Karl Schaifers herausgab. Noch kurz vor seinem Tod stellte er das Manuskript für ein Buch über das SETI-Projekt fertig, "Sind wir allein?", welches in Kürze erscheint. Außer an seinen Wirkungsstätten Göttingen, Heidelberg und Green Bank war von Hoerner auch als Gastprofessor an weiteren Institutionen tätig: an der Cornell-Universität in Ithaca, an der Universität von Kalifornien in Los Angeles, am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn sowie an den Universitäten von Mexico City und Basel. Er war Mitglied der Alexander von Humboldt-Gesellschaft, der International Astronomical Union, der Astronomischen Gesellschaft, der International Union of Radio Science, der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler und der Union of Concerned Scientists. Zudem war er externes Mitglied des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn und Mitglied im Verlag Cosmic Search. Sebastian von Hoerner ist Träger des Alexander von Humboldt-Preises und des Preises der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Er verstarb am 7. Januar 2003 in Esslingen nach einem erneuten Herzinfarkt. |


Verschiedenes

Der Astrophysiker Dr. Sebastian von Hoerner wurde am 15. April 1919 in Görlitz geboren. Er promovierte 1951 an der Universität Göttingen in Physik. Mit seinem Doktorvater, Prof. Carl Friedrich von Weizsäcker, forschte er über die Entstehung von Sternen und Kugelsternhaufen. Diese Arbeiten und Studien über die Dynamik von Sternhaufen setzte er am Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg unter der Leitung von Prof. Walter Fricke fort. 1959 habilitierte er sich an der Universität Heidelberg mit einer Untersuchung über die zeitliche Rate der Sternentstehung.